Im Zuge der Ukraine-Krise konnte sich der Gold dicht an die Marke von 2.000 USD rantasten. Doch charttechnisch sind die Hürden derzeit noch zu hoch!
Eine gefühlte Ewigkeit kam Gold nicht nachhaltig vom Fleck. Die Kurse dümpelten trotz hoher Inflationsraten unter der Marke von 1.850 USD. Erst nachdem sich die Ukraine-Krise zuspitze, kam wieder ordentlich Zug in die ganze Sache. Zuletzt erreichte der Goldpreis mit 1.974 USD den höchsten Stand seit Mitte September 2020. Und mit einem Male scheint auch die runde und magische Marke von 2.000 USD zum Greifen nahe. Doch der Weg bis hierhin bzw. über dieses Niveau könnte eine steiniger werden. Die Charttechnik deutet das an.
Das „neue Gold“ also known as Bitcoin kann in diesem Jahr bisher nicht so wirklich überzeugen. Während der gute alte analoge Goldpreis um gut fünf Prozent zulegen konnte, verliert die bekannteste Kryptowährung der Welt um gleichen Maße. Als Krisenwährung taugt der Bitcoin also bislang nicht.
Aber auch Gold selbst kann sich genau genommen eher schlecht als recht entwickeln. Vor dem Hintergrund eines möglichen dritten Weltkriegs, verbunden mit einem Atomkrieg, steigt Gold eigentlich verhältnismäßig zaghaft. Vielleicht setzt sich hier die Erkenntnis immer mehr durch, dass man im Bunker ohne Strom und ohne Essen Gold eben doch nicht essen kann …
Aus der Sicht der Charttechnik hat sich in den letzten Wochen einiges am Goldmarkt getan. Zuletzt sah es im Rahmen der Analyse „Goldpreis nach der FED-Sitzung: Droht jetzt ein Crash?“ sah es noch danach aus, als würde Gold nochmals auf unter 1.700 USD fallen. Doch es kam anders.
Zunächst robbten sich die Kurse langsam und träge nach oben. Erst Mitte Februar kam mit dem Bruch des Abwärtstrends deutlich Dynamik in die ganze Sache. Am 24. Februar, der Tag als Russland die Ukraine angegriffen hat, schließlich der Spike auf signifikante Jahreshochs im Bereich der 1.975 USD.
Ab diesem Niveau ist schnell wieder die Luft aus diesem Anstieg entwichen. Schon einen Tag später fand sich Gold wieder fast 100 USD tiefer und setzte direkt auf einer Unterstützung auf, die mit dem Zwischenhoch aus dem November 2021 harmoniert. Auf der Oberseite stoppte der Anstieg nach einem kleinen Fehlausbruch in einer mittelfristigen Widerstandszone zwischen ca. 1.915 und 1.965 USD.
Wie im Tages-Chart skizziert, könnte Gold kurzfristig noch einmal Luft holen und auf etwa 1.875 USD korrigieren. Dort scheint der Kurs allerdings gut gestützt, sodass sich ab dort ein neuer Impuls zeigen könnte, der Gold erstmals seit August 2020 über die Marke von 2.000 USD hieven könnte.
Robert Schröder beschäftigt sich seit 2004 professionell mit den Aktien- und Finanzmärkten. Neben der klassischen Charttechnik, die er aus dem Effeff beherrscht, hat er sich auf die Elliott-Wellen spezialisiert.