Silber konnte im Jahresauftakt 5 Prozent zulegen. Doch in den letzten Handelswoche ging es um dramatische 7,5 Prozent abwärts! Was ist jetzt wichtig?
Silber hat das Börsenjahr 2021 mit einem Verlust auf US-Dollar Basis von fast 13 Prozent abgeschlossen. Vor diesem Hintergrund waren die Hoffnungen von Anlegern und Tradern entsprechend groß, dass 2022 deutlich besser werden würden. Der Jahresauftakt war zunächst auch geglückt. Silber konnte anfänglich um gute 6 Prozent auf zwischenzeitlich erreichte 24,70 USD zulegen. Kurz kehrte Optimismus in den Markt zurück.
Doch die letzte Handelswoche hat diese Erfolge alle wieder zunichtegemacht. Silber wurde brutal um 7,5 Prozent abverkauft. Zuletzt gab es einen vergleichbaren Kurseinbruch auf Wochenebene im Juni 2021. Der jüngste Abverkauf hatte es also richtig in sich. Der Pessimismus ist zurück. Was müssen Trader und Anleger jetzt in Sachen Charttechnik wissen?
Zuletzt sah das Chartbild von Silber in der Einschätzung vom 21. Januar „Silber: Folgt nun endlich der große Ausbruch?“ an dieser Stelle konstruktiv positiv aus. Allerdings wurde auch gemahnt, dass hier noch lange nichts in trockenen Tüchern ist und der Abwärtstrend noch nicht nachhaltig überwunden wurde. Bereits ein Rücklauf im geringen Prozentbereich würde hier das Chartbild schnell wieder negativ eintrüben.
So kam es dann auch. Der Abwärtstrend bzw. die obere Dreieckslinie wurde nicht mehr weiter angelaufen oder gar nachhaltig überwunden. Das Tageshoch vom 20. Januar entpuppte rückblickend sich als kleiner Fehlausbruch bzw. als eine klassische Bullenfalle. Die fünf sich anschließenden negativen Handelstage sprechen eine eindeutige Sprache: Der Ausbruch ist klar und deutlich gescheitert! Die genannte Bedingung in Form eines Ausbruchs mit Schwung und Dynamik über die Marke von 24,70 USD wurde nicht erfüllt.
Jetzt nähert sich Silber mit großen Schritten der grünen Unterstützungslinie, die aktuell bei etwa 21,45/50 USD verläuft. Man muss sicher kein Hellseher sein oder viel von Charttechnik verstehen, um zu erkennen, dass diese Linie schon mal eine zentrale und wichtige Rolle spielen wird.
Grundsätzlich deutet das riesige zusammenlaufende Dreieck bei Silber seit dem Sommer 2020 sehr wahrscheinliche eine entsprechende Konsolidierung an, die bis heute den damaligen steilen Anstieg von knapp 11,50 auf fast 30 USD in nicht einmal sechs Monaten korrigiert. Die immer enger und kleiner werdenden Ausschläge innerhalb dieses Dreiecks lassen den Druck innerhalb dieser Korrektur immer größer werden. Bei einem Ausbruch kann sich dieser Druck dann entsprechend schnell und stark entladen. Silber kann also sehr schnell steigen.
Bevor dieses wahrscheinlichste Szenario jedoch eintritt, ist ein nochmaliger Test der besagten Unterstützungslinie fällig. Es wäre aber zu einfach, sich auf die 21,45/50 USD zu konzentrieren und dort einzusteigen. Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass sich Trader an dieser Stelle auf einen Fehlausbruch (vielleicht 21, 21,80 oder gar 21,50 USD!?) nach unten einstellen sollte. Konkret ist es also zu erwarten, dass Silber kurzfristige die Unterstützungslinie durchschlägt und eben nicht an der Unterstützungslinie direkt nach oben dreht.
Damit soll erreicht werden, dass auch die letzten Bullen die Nerven verlieren und das Handtuch werfen. Unter Umständen fallen sogar einige auf diesen “Trick” herein und wetten auf fallende Kurse. Doch genau dann könnte der Markt wieder drehen und die Unterstützungslinie zurückerobern. Entsprechend starken werden die Kurse dann – auch wegen der Short-Eindeckungen – steigen …
Robert Schröder beschäftigt sich seit 2004 professionell mit den Aktien- und Finanzmärkten. Neben der klassischen Charttechnik, die er aus dem Effeff beherrscht, hat er sich auf die Elliott-Wellen spezialisiert.