50 Prozent ist der Ölpreis 2021 gesteigen. 2022 sind es schon 20 Prozent. Doch charttechnisch deutet sich bereits eine Trendwende an!
Die Inflation ist auch 2022 eines der Topthemen an den Finanzmärkten. Zuletzt wurde für die Eurozone im Januar mit 5,1 Prozent die höchste Inflationsrate seit 1997 erfasst und gemessen. Besonders die Energiepreise, also Strom, Gas, Kraftstoffe und der Ölpreis spielen dabei eine große Rolle.
Die französische Großbank BNP Paribas hat jüngst errechnet, dass die Energiepreise mittlerweile mehr als 3 Prozent zur Gesamtinflationsrate beitragen. Ihr Anteil beträgt also gut 59 Prozent. Wenn der starke Anstieg der letzten Monate nicht gewesen wäre, hätte die Eurozone damit lediglich einen vertretbaren Preisanstieg von 2,1 Prozent gesehen. Die Analysten gehen davon aus, dass der Anteil der Energiepreise 2022 auf 1 Prozent sinken wird. 2023 soll dann der Einfluss kaum noch messbar sein. Genau das deutet sich aber heute schon aus der Sicht der Charttechnik an.
Am 3. Januar wurde im Rahmen der Analyse „Ölpreis 2022: Geht es hoch auf über 103,50 US-Dollar?“ an dieser Stelle weiter steigende Kurse beim Ölpreis der Marke Brent vorausgesagt. Damals notiert der Preis noch bei 78 USD. Ein Kursniveau von etwa 100,50 bis 103,50 USD wurde genannt und charttechnisch hergeleitet. Die in diesem Zusammenhang benannte Widerstandszone wurde nun angestochen.
Brent Ölpreis hat in diesem Jahr bereits 20 Prozent zugelegt. 50 Prozent waren es im letzten Jahr. Entsprechend groß ist die Sorge, dass es jetzt immer so weiter gehen wird mit den steigenden Kursen. Kursziele von 150 USD machen bereits die Runde. Die Stimmung ist fast schon panisch und steht diametral zu der im Frühjahr 2020, als einige Ölsorten sogar mit negativen Preisen gehandelt wurden.
Im Wochen-Chart ist aber absehbar, dass die Luft ab jetzt immer dünner wird. Mit dem jüngsten Jahreshoch bei 93,34 USD am 7. Februar stehen wir an einer wichtigen Widerstandslinie, die durch das Zwischenhoch aus dem Jahr 2010 und dem Zwischentief aus dem Jahre 2012 definiert wird. Der Ölpreis könnte ab jetzt also wieder per Tendenz den Rückwärtsgang einlegen. Eine mögliche Gegenbewegung zurück auf ca. 60 bis 50 USD steht zumindest bereits im Raum.
Im Tages-Chart ist allerdings diesbezüglich noch kein entsprechendes Umkehr- oder Shortsignal zu erkennen. Einzig das mögliche Abschlussmuster, das sich seit März 2021 zu bilden scheint, deutet – in Kombination mit der beschriebenen Widerstandslinie – bisher wage auf fallende Kurse. Wer also als Trader auch der Meinung ist, dass der Ölpreis kurz vor einem vorläufigen Hoch stehen könnte, sollte besser auf ein entsprechendes charttechnisches Short-Signal warten. Stellt sich dieses ein, so deutet sich heute schon an, dass 2022 eher von fallenden Ölpreis-Kursen geprägt sein könnte. Entsprechend dazu könnte in den kommenden Monaten auch die Inflation merklich zurückkommen.
Robert Schröder beschäftigt sich seit 2004 professionell mit den Aktien- und Finanzmärkten. Neben der klassischen Charttechnik, die er aus dem Effeff beherrscht, hat er sich auf die Elliott-Wellen spezialisiert.