Der Nasdaq 100 ist dem mittelfristigen Aufwärtstrend erstmals seit Oktober 2020 sehr nahe gekommen. Wird der Index diesen erneut verteidigen können?
Die wenigsten Anleger und Börsianer hätten sich wohl träumen lassen, dass der Nasdaq 100 Index in diesem Leben mal ansatzweise in die Nähe der 17.000 Punkte Marke kommen würde. Besonders nach dem Corona-Crash Anfang 2020 sah die damalige Lage ja äußerst düster aus. Nach dem schnellen und steilen Abverkauf um 30 Prozent in wenigen Wochen, geht der Nasdaq seitdem weg wie warme Semmeln.
Bereits im Juni 2020 war der große Crash bereits wieder vollständig ausgebügelt. Anschließend ging es für den Tech-Sektor Schlag auf Schlag. Es verging kaum eine Woche, in der nicht neue Rekordhochs verkündet werden konnten. Und etwas mehr als ein Jahr nach dem 2020er Crash konnte der Nasdaq 100 mit einer Kursverdoppelung aufwarten. Dass der Index läuft, wie geschnitten Brot, war inzwischen Alltag und fast so normal wie der tägliche Wetterbericht.
Abgesehen von etwa fünf größeren und nennenswerten Korrekturen in der Größenordnung von etwa Minus 14 bis 6 Prozent und einer Zeitdauer von wenigen Wochen, geht es für den Nasdaq 100 kontinuierlich nach oben. Das letzte Allzeithoch liegt jetzt allerdings schon fast zwei Monate zurück und stammt vom 19. November 2020. Seitdem ging es in zwei Schüben bereits fast 10 Prozent abwärts. Erst gestern kam der Index der runden 15.000 Punkte Marke bedrohlich nahe und fiel im Tagestief bei 15.165,53 auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober 2020 zurück.
Der Blick auf den mittelfristigen Tages-Chart zeigt deutlich, dass gestern ein wichtiger Tag gewesen ist. Die in diesem Zusammenhang sehr wichtige grüne Aufwärtstrendlinie wurde erstmals seit Oktober wieder erreicht und direkt berührt. Prompt gab es auf Intraday-Ebene sofort wieder die ersten Käufe von mutigen Händlern, die die diese Linie natürlich auch im Blick haben. Dieses erste Kaufinteresse hat zumindest dafür gesorgt, dass der Handelstag mit einem leichten Plus von 0,54 Prozent beendet wurde. Zusätzlich konnte aus rein charttechnischer Sicht der besagte Aufwärtstrend, nach einem leichten und fast schon unbedeutendem Fehlausbruch, verteidigt werden.
Hinsichtlich der Trendrichtung sind das ohne Zweifel gute Nachrichten für den Nasdaq-Index. Ähnlich wie bei den letzten drei Tests des Aufwärtstrends könnte es jetzt erneute eine Fortsetzung der Rallybewegung geben. Für eine Entscheidung diesbezüglich ist allerdings ein einzelner Handelstag zu wenig. Der positive Pullback müsste im Rahmen weiterer Anschlusskäufe bestätigt werden. Dann könnten in den kommenden Wochen bis in das Frühjahr hinein ohne Weiteres neue Allzeithochs erreicht werden.
Konkret könnte der Nasdaq 100 die rote obere Widerstandslinie ansteuern, die – je nachdem wann sie erreicht wird – bei etwa 16.750 bis 17.000 glatt verläuft. Nach weiteren Kursverlusten sieht es aktuell hingegen nicht aus. Das könnte sich allerdings schnell ändern, sollte es wider Erwarten zu einem Schlusskurs von unter 16.000 Punkten in Kombination mit einem Bruch der besagten Trendlinie kommen. In diesem zunächst charttechnisch ungünstigem Fall bestünde weiteres Abwärtspotenzial auf bis zu 15.000/14.900 Punkte!
Robert Schröder beschäftigt sich seit 2004 professionell mit den Aktien- und Finanzmärkten. Neben der klassischen Charttechnik, die er aus dem Effeff beherrscht, hat er sich auf die Elliott-Wellen spezialisiert.