Goldminenaktien gelten wegen des Hebels als Alternative zum Goldpreis. Doch macht ein Investment in diesen Sektor mittel- und langfristig überhaupt Sinn?
Der Goldpreis ist besonders in den letzten drei Handelswochen deutlich gestiegen. Am 17. Februar wurde erstmals seit Juni 2021 die Marke von 1.900 USD erreicht. Der Grund für diesen kleinen Boom ist natürlich schnell ausgemacht: Die Ukraine-Krise spitzt sich immer weiter zu und wird zudem immer unübersichtlicher. Es droht ein Krieg mitten in Europa. Gold als Krisenabsicherung funktioniert in diesem Zusammenhang eben doch. Nicht alle Anleger möchten sich aber physische Ware in Form von Barren oder Münzen ins Depot legen. Sie liebäugeln mit Goldminenaktien, die als starker Hebel auf den Goldpreis gelten. Doch ist ein Investment in diesen Sektor überhaupt sinnvoll?
Als Standard-Index im Bereich der Goldminenaktien hat sich der NYSE Acra Goldbugs Index, kurz HUI-Index, etabliert. Er ist ein reiner Kursindex (ohne Dividenden) und enthält 16 Unternehmen, die ihre Goldproduktion auf nicht mehr als 1 ½ Jahre vor- bzw. leerverkaufen. Um zu beurteilen, ob dieser Index langfristig etwas taugt, im Folgenden ein Vergleich mit dem Goldpreis in US-Dollar, der als Basiswert fungiert.
Schnell wird deutlich, dass hier etwas nicht stimmen kann. Während Goldminenaktien in Form des HUI-Index bis etwa Mitte 2008 noch mit dem Goldpreis Schritt halten konnte, ist die Entwicklung der letzten Jahre ohne Umschweife als desaströs zu bezeichnen. Wer im Jahre 2007 auf den Goldminen-Index gesetzt hat, hat bis heute kaum den Break-even erreicht. Mal abgesehen von den Rekordhochs im Jahre 2011 und die Dividenden, die zu einem Großteil an die Aktionäre gezahlt werden.
Gold notiert heute mit ca.1.900 USD in etwa auf den damaligen 2011er-Hochs. Der HUI-Index stand zum gleichen Zeitpunkt bei über 600 Punkten. Heute, bei einem vergleichbaren Goldkurs, steht der HUI-Index allerdings bei nicht einmal 300 Punkten. Das heißt, über 50 Prozent tiefer! Oder anders gesagt: Goldminenaktien müssten im Durchschnitt auf einen Schlag über 100 Prozent auf mindestens 600 Punkte zulegen, um diese eklatante Schere zu schließen und überhaupt mit dem Goldpreis aufschließen zu können.
Von einem Hebel der Goldminenaktien auf den Goldpreis kann also vor diesem Hintergrund schon lange keine Rede mehr sein. Goldminenaktien eignen aus diesem Grund derzeit und wahrscheinlich auch auf absehbare Zeit also in keinster Weise für ein Investment. Zumal sie seit Jahren sogar deutlich schlechter abschneiden als Gold als Basiswert! Die Einschätzung gilt natürlich nicht für ausgesuchte Einzelwerte, die mittel- und langfristig durchaus deutlich besser performen können als der Goldpreis selbst.
Robert Schröder beschäftigt sich seit 2004 professionell mit den Aktien- und Finanzmärkten. Neben der klassischen Charttechnik, die er aus dem Effeff beherrscht, hat er sich auf die Elliott-Wellen spezialisiert.