Gold gilt seit jeher als Schutz vor Inflation. Doch derzeit werden Anleger trotz historischer Inflationsraten enttäuscht. Sie missachten einen Fakt.
Seit Monaten kommt der Goldpreis nicht richtig und nachhaltig vom Fleck. Trotz hoher und immer weiter steigender Inflationsraten in den westlichen Industrienationen, wird Gold seinem zugeschriebenen Inflationsschutz nicht wirklich gerecht. Im zurückliegenden Jahr hat der Goldpreis auf Basis des US-Dollars 3,6 Prozent verloren.
Die Inflation in den USA lag jedoch bei 4,3 Prozent, in der Eurozone stieg sie zuletzt mit 5,1 Prozent auf ein Allzeithoch. Und in Deutschland stiegen die Verbraucherpreise 2021 um 3,1 Prozent. In der Summe klafft zwischen der Goldpreisentwicklung und der Inflation also eine riesige Lücke. Wenn es nach den klassischen Marktgesetzen geht, müsste der Goldpreis vor diesem Hintergrund ja explodieren.
Die letzte große Haussebewegung im Goldmarkt liegt allerdings schon fast zwei Jahre zurück. Nach dem damaligen Corona-Crash war der Goldpreis in wenigen Monaten von 1.450 auf 2.075 USD gestiegen. Damals war jedoch an die heutigen Inflationsraten nicht einmal ansatzweise zu denken.
Der Goldpreis wird seit jeher in US-Dollar angegeben und international gehandelt. Viele Anleger denken allerdings nicht daran, den Kurs in ihre jeweilige Landeswährung umzurechnen. Niemand käme wohl beispielsweise auf die Idee, Lebensmittelpreise in den USA 1:1 für Deutschland zu übernehmen. Auch die Autopreise in Japan werden hierzulande immer in Euro angeben bzw. umgerechnet. Und genau das sollte auch für den Goldpreis gemacht werden. Denn damit sieht die Goldwelt für den Euroanleger schon ganz anders aus!
Für 2021 ergibt sich so ein ganz anderes, positives Bild. Während US-Anleger das Nachsehen hatte, war die Lage im Euroraum noch relativ komfortabel. Denn Gold auf Euro-Basis ist um 3,5 Prozent gestiegen. Das ist vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Preis auch keine rühmliche Entwicklung, aber zumindest ein kleines Trostpflaster. Und 2020 war das Verhältnis sogar noch besser. Während die Inflation im Euroraum um lediglich 0,7 Prozent gestiegen waren, zog Gold in Euro sogar um fast 15 Prozent. Darüber beschwert hat sich niemand.
Schaut man auf den Chart, so stellt man fest, dass Gold in Euro sich deutlich vom gewohnten Bild Gold in US-Dollar unterscheidet. Hier fehlen aktuell nur noch 5,1 Prozent bis zum Erreichen der Rekordhochs aus dem August 2020. Ob diese Hochs in absehbarer Zeit erreicht werden, ist allerdings eher fraglich.
Denn zum einen steigen die Kurse seit Februar 2021 nicht wirklich gradlinig. Vielmehr scheint sich eine Art steigender Keil zu bilden, der in der Summe nicht für eine stabile Aufwärtsbewegung spricht. Vor diesem Hintergrund ist es eher fraglich, ob Goldanleger aus dem Euroraum in absehbarer Zeit mit neuen Rekordhochs jenseits von 1.749 EUR rechnen können und sollten. Vielmehr zeichnet sich durch den besagten Keil eine neue Korrekturwelle zurück auf das Niveau von Anfang 2021 ab.
Robert Schröder beschäftigt sich seit 2004 professionell mit den Aktien- und Finanzmärkten. Neben der klassischen Charttechnik, die er aus dem Effeff beherrscht, hat er sich auf die Elliott-Wellen spezialisiert.