Der Ukraine-Konflikt spitzt sich immer weiter zu. Bei einem Krieg droht die Ostsee-Pipelinie Nord Stream 2 von Gazprom zu scheitern. Was macht die Aktie?
Die Aktienmärkte haben es zu Wochenbeginn bereits mit deutlich fallenden Kursen angedeutet: Beim Ukraine-Konflikt ist derzeit nur wenig Entspannung in Sicht. Ein diplomatisches Treffen jagt das nächste. Und am Mittwoch, dem 16. Februar, soll, laut US-Informationen, die russische Invasion in die Ukraine beginnen. In diesem Zusammenhang geht es selbstredend auch um die noch immer sehr wichtigen Rohstoffe Öl und Gas. Denn Russland sitzen jeweils auf gigantischen Mengen und ist einer der größten Öl- und Gasexporteure der Welt. Der russische Staatskonzern Gazprom spielt hier wiederum eine wichtige Rolle.
Besonders die sogenannte Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Deutschland mit günstigem russischen Gas versorgen soll, ist mittlerweile zum Politikum geworden. Gibt es einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine, so steht das Projekt wohl vor dem Aus. Entsprechend hart würde das Gazprom als Betreiber treffen. Wie könnte sich die Aktie jetzt entwickeln?
Im mittelfristigen Zeitfenster hängt die Gazprom-Aktie (Gazprom ADR in Euro, Börse Frankfurt) stark am Gaspreis, der hier den europäischen mit der Bezeichnung Dutch TTF zeigt. Besonders an der jüngsten Rallybewegung in Europa konnte der Aktienkurs gut profitieren, wenn auch es keine Korrelation von 1:1 gibt. Schon seit September hat sich Gazprom von den steigenden Gaspreisen ein Stück weit entkoppelt und 10 Jahreshochs bei 9,46 EUR deutlich um 34 Prozent auf 6,24 EUR zurückgefallen.
Seit dem Jahr 2016 befindet sich die Aktie in einem sehr volatilen Aufwärtstrend. Im Zuge dessen konnte sich Gazprom von knapp 2,67 auf über 9 EUR dennoch recht gut entwickeln. Dieser auf den ersten robuste Aufwärtstrend hat jedoch einen Haken: Er ist nicht stabil. Das zeigt besonders der spitz zulaufende Keil, der sich in den letzten sechs Jahren gebildet hat. Die Kursausschläge werden nach oben hin immer kleiner und kürzer.
Theoretisch könnte Gazprom sich weiter innerhalb des Keils nach oben schwingen. Neue Verlaufhochs im zweistelligen Euro-Bereich sind in diesem Zusammenhang möglich. Die obere Keillinie verläuft hier bei etwa 10 bis 10,50 EUR. Je nachdem, wann dieser Widerstand erreicht wird.
Für diese bullische Setup darf sich Gazprom jetzt allerdings keine großartige Schwäche mehr erlauben. Wichtig für Anleger, die auf steigende Kurse setzen möchten, ist die grüne untere Keillinie, die aktuell bei ca. 6,55 EUR verläuft. Dieses Niveau könnte ohne Weiteres noch einmal getestet werden. Das Jahrestief bei 6,24 EUR sollte jedoch in jedem Fall verteidigt werden. Falls dieses nicht halten und unterschritten werden sollte, könnte die Aktie schnell auf unter 6 bis hin zu 5 EUR durchgereicht werden.
Robert Schröder beschäftigt sich seit 2004 professionell mit den Aktien- und Finanzmärkten. Neben der klassischen Charttechnik, die er aus dem Effeff beherrscht, hat er sich auf die Elliott-Wellen spezialisiert.